Martin Thieles Bericht über seine Reise nach Indien

11.3.2017

Reisebericht eines Touristen (Martin Thiele aus St. Hubert) auf Abwegen:

Im Oktober letzten Jahres erreichte mich die Anfrage von Pater Benno vom Karmeliterorden in Linz, ob ich den Schwestern in Nordostindien im Bundesstaat Mizoram etwas helfen könnte. Die Schwestern von Mount Rosary, die dort arbeiten, würden „moppern“.

Nach einem Besuch in Linz, beste indische Küche, natürlich bei den Schwestern, wo meine Frau und ich uns einen besseren Eindruck verschaffen konnten, stellten sich folgende Probleme heraus:

  • Wasserversorgung: die Schwestern haben nur Regenwasser aus einer 2000 l Wassertonne zur Verfügung
  • Zum Teil tagelang keine Stromversorgung
  • Der Bau ist nicht moskitodicht, und das in einem Gebiet mit Denguefieber und Malaria
  • Im Winter ist es kalt im Gebäude. Kalt in Indien??

Infolge der Wirren der Währungsumstellung in Indien und der damit verbundenen Probleme verzögerte sich meine Reise bis in den Februar.

Nach einer 36 stündigen Anreise kam ich total übermüdet dann in Mizoram (liegt zwischen Myanmar und Bangladesch) am Flughafen an.

Als Tourist muss man sich als erstes sowohl am Flughafen und bei der Polizei melden.

Leider gibt es dort nur wenige Gäste, also nimmt man es genau; Frage nach der Adresse in Mizoram: keine Ahnung, in der Schule von Khawlailung, welche Straße ???

Die übliche Antwort in Indien: MG (Mahatma Gandhi) Road und Taj Hotel wollte er nicht gelten lassen.

Also vertrösten und hoffen, dass der Abholservice der Schwestern Bescheid weiß.

Endlich draußen, ging es zur Polizeistation im 15 km entfernten Aizawl (1 Stunde Schüttelpartie).

Nachdem der Papierkram auch dort erledigt war und wir an einem Elektroladen gestoppt hatten und eine Grundausstattung Material besorgt hatten, ging es dann auf die 7 stündige Fahrt zur Schule.

So schlechte Straßen wie dort habe ich noch nie erlebt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 15 km/h auf einfachen Straßen und 40 km/h auf dem Highway.

Die Bevölkerung Mizorams lebt wegen der Erdbeben und der kriegerischen Vergangenheit auf den Berg- und Hügelkämmen: dort, wo es wenig Wasser gibt, außer in der Regentonne.

Das Wasser ist dort etwas Besonderes: immer zu wenig, dazu verschmutzt, bei bis zu 40 Grad im Sommer leicht mit Bakterien und Viren belastet und, weil die Tonnen offen sind, mit Mückenlarven angereichert.

Die erste Aufgabe war interessant: Wie soll ich aus dem Wasser etwas Trinkbares schaffen, zumal auch für die Schule?

Alle Firmen oder Fachleute, die ich befragte, winkten ab. Das geht nicht so einfach oder ist zu teuer.

Basteln und tüfteln war wieder gefragt.

Ich entschied mich für einen dreifachen Filter und dann eine UVC-Lichtanlage, die nur 40 Watt benötigt. Ich brachte 2 Anlagen im Koffer mit, total überdimensioniert, aber im Koffer transportabel, einschließlich der Ersatzteile.

Ich war ja, wie üblich, als Tourist dort, und brauchte nicht arbeiten. Also durften die Schwestern unter meiner Anleitung arbeiten und schaffen.

Mit den Schwestern Suneetha, Celine, Shanty Maria und Lidwin fand ich eine Topbesetzung vor. Willig, lernhungrig und mit Einsatz, wie ich es von den Schwestern kenne, ging es dann in den nächsten Tagen an die Arbeit. Mit soviel Spaß haben wir schon lange nicht mehr gearbeitet.

Die Herausforderung ist dort: wo bekomme ich das Material her, wehe es bricht etwas oder es kommt was dazwischen. Die nächsten Läden sind 2 Stunden entfernt. Das Material ist in Indien schon schlecht genug und es war hier in Mizoram noch schlechter. Die harten Rohre brachen noch ab und die Kabel, die verlegt waren, erst recht.

Erst nach der zweiten Einkaufstour konnten wir so richtig loslegen. Das meiste wurde erfolgreich geschafft oder soweit, das die Schwestern es selber richten können, wenn nur die Bestellung und Lieferung klappt.

Bei 10 Eimern Wasser pro Familie und Woche heißt es sparen oder teures Wasser kaufen.

Nachts bei 5 bis 10 Grad und einer steifen Brise kommt keine Freunde auf. Es war kalt. Da halfen auch keine 3 Decken und die PET Flasche als Wärmflasche nicht.

Morgens wärmte man sich in den ersten Sonnenstrahlen auf, ab mittags wurde es bei 25 Grad schon etwas schweißtreibend.

Wegen des Wassermangels war es staubig. Während der Monsunzeit wird es matschig und viele Orte sind über Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Erdrutsche und Erdbeben verschlechtern die Situation nochmals.

Die Bevölkerung dort ist freundlich, hilfsbereit, ländlich und einfach. Die Mizor-Küche ist eigen. Es wird alles gekocht, Gewürze sind Luxus, gegessen wird, was auf dem eigenen Feld wächst.

Es gibt noch viel zu tun, dadurch dass die Gegend etwas abseits liegt und kaum entwickelt ist. Die Auswirkung einer guten Schulbildung kann dort gut gesehen werden, denn wo Bildung ist, geht es den Leuten besser, gesundheitlich und wirtschaftlich.

Die Schwestern wollen ein Gebäude anbauen, wo sie Schülerinnen unterbringen können, die nicht jeden Tag zur Schule kommen können, da es zu weit ist, mehr als 1,5 Stunden pro Weg.

Bei Bedarf und auf Wunsch der Schwestern reise ich gerne noch einmal hin um zu helfen. Nur den anschließenden Luxus von 3 bis 4 Tagen Entspannung in Mount Rosary werde ich mir nicht nehmen lassen, das muss einfach sein (mit dem Flieger 24 h, mit der Bahn 50 h).

In Mount Rosary wurde ich dann mit 6 Stunden Verspätung herzlich empfangen. Der Flieger hatte in Kalkutta eine Panne und ich flog über Mumbai.

Wie Alfons Rasche schon berichtet hat, wurde das Dach in einem Gebäude neu eingedeckt, die Wände frisch gestrichen. Leider konnte ich nur das Nötigste an der Elektrik reparieren. Es fehlte einfach die Zeit.

Auch das neue Gebäude beim Krankenhaus war fertig und wartet auf die Bewohner. Die alte Schwesternunterkunft wird als Unterkunft für zahlende Senioren ausgebaut und in den nächsten Wochen bezogen.

Leider fehlen dort das technische Verständnis und das Hintergrundwissen. Den Weg zur Küche im neuen Gebäude sah man an der Decke, denn der Rauch vom Holzfeuer verfärbte die Decke. Mit Rudi, dem Bauleiter, und Schwester Mable machten wir Feuer und überlegten uns, wie wir das Rauchproblem lösen können. Als erstes ein Fenster schließen, die Flurfenster öffnen und es zog schon besser ab. Als zweiten Schritt sollte dann noch ein Brett als Rauchfang eingebaut werden. Zum Teil einfache Sachen, die eine Menge bewirken können. Learning by doing!

Ich will und werde sicher wiederkommen, denn wenn man einmal die Gastfreundschaft dort genossen und Kontakt zu den Bewohnern gefunden hat, ist es einfach nur super.

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Martin Thiele – Kontakt über E-Mail an

Einen Bericht über die Wasseraufbereitung mit weiteren Bildern finden Sie hier: Wasser in Indien